Warum mich Sport und Gesellschaft persönlich umtreibt
Ich bin Mitgründer und Geschäftsführer von Original Bootcamp und Vorstandsmitglied des Vereins Deutschland trainiert draußen e.V. Aber zu „Deutschland bewegt sich“ komme ich vor allem als Bürger, der von der politischen Polarisierung und der „Wir gegen die“-Mentalität in unserem Land genervt ist – und der glaubt, dass wir das ändern können.
Eine Familie, die selbst schon das ganze Spektrum abbildet
Meine eigene Familie ist vermutlich der beste Beweis dafür, dass Menschen mit ganz unterschiedlichen Überzeugungen trotzdem zusammengehören können. Ich komme aus einer großen Patchwork-Familie und bin bei meiner Mutter in einem Dorf aufgewachsen, eher konservativ geprägt, im klassischen Einfamilienhaus. Mein Vater dagegen lebt in einem ehemals besetzten Haus in Berlin, ist in der links-grünen Szene unterwegs und hat vier Kinder von drei Frauen. Mein Onkel, mit dem ich teilweise groß geworden bin, hat seine Karriere kompromisslos durchgezogen, ist heute Vizekanzler an einer Universität auf Hawaii – und homosexuell. Meine angeheiratete Schwester hat selbst Migrationshintergrund, während ihre Cousinen die AfD wählen.
Mittlerweile wird in meiner Familie buchstäblich jede Partei von mindestens einem Mitglied gewählt. Wer in einem solchen Umfeld groß wird, lernt zwangsläufig: Es gibt fast immer nachvollziehbare Gründe, warum jemand zu einer Haltung gekommen ist.
Geprägt durch das Leben in anderen Kulturen
Ich habe über viele Jahre in sehr unterschiedlichen Kulturen gelebt und gearbeitet: ein Jahr in den USA, zwei Jahre in Saudi-Arabien, ein Jahr in Indonesien, ein halbes Jahr in Russland, ein Jahr in Portugal. Diese Erfahrungen haben meine Offenheit und meinen Blick auf die Welt stark geprägt – und mir gezeigt, wie unterschiedlich „normal“ je nach Kontext aussehen kann. Dabei ist für mich die große Herausforderung, die eigenen Werte klar und deutlich zu vertreten ohne mich in moralischer Überlegenheit abzuheben. An welchen Stellen wissen wir wirklich, was für unsere Gesellschaft und für andere Menschen besser ist? Dabei geben mir wissenschaftliche Fakten und die Menschenwürde die wichtigste Orientierung.
Vom Sport über Wirtschaftsethik zum gesellschaftlichen Zusammenhalt
Studiert habe ich Sport und BWL mit Schwerpunkt Sozialpsychologie – politische und psychologische Fragen haben mich schon früh begleitet. Eine Sinnkrise in der Strategieberatung brachte mich dann zur Promotion in Wirtschaftsethik: Wie passen Moral und Ökonomie zusammen, ohne dass man entweder zum Moralapostel wird oder sich hinter der „effizientesten Ressourcenallokation“ versteckt? Die liegt immer noch auf Eis. Das Umsetzen in die Praxis in meiner eigenen Firma hat mich mehr gepackt.
Während der Corona-Zeit habe ich bei Mitarbeiter- und Kundengesprächen erlebt, wie tief die Gesellschaft gespalten wurde – weinende Menschen, die die Aufteilung in guter und schlechter Mensch auf Basis einer Impfung nicht ertragen und sich von der Gesellschaft abgewendet haben.
Seit den Anfängen nehme ich an „Deutschland spricht“ der ZEIT teil. Beim allerersten Mal wurde für mich kein Gesprächspartner gefunden – offenbar war meine Haltung schon zu eindeutig dem zugeordnet, was die meisten Teilnehmenden ohnehin dachten. Mittlerweile habe ich zahlreiche Gespräche mit Menschen unterschiedlichster Auffassung geführt, sowohl im Rahmen von „Deutschland spricht“ als auch privat. Die wichtigste Erkenntnis dabei: Wenn wir uns zuerst als Menschen begegnen, sind wir viel offener und verstehen viel besser, warum jemand eine Haltung entwickelt hat – und auch, was es braucht, damit diese Haltung innerhalb des demokratischen Spektrums ihren Platz findet.
Genau diese Erfahrung steckt im Kern von „Deutschland bewegt sich”